Einleitung

Gerade in den ersten Lebensjahren werden die Weichen für die spätere Entwicklung von Kindern gestellt. Emotional angenommene und fest gebundene Kinder haben später weniger Schwierigkeiten und Probleme zu erwarten, als bei einem Aufwachsen in „schwierigen Verhältnissen“. Frühe Hilfen setzen daher genau in diesem frühzeitigen Status an; oft bereits in der Schwangerschaft.

Kinder zu erziehen, sie auf dem Weg zum Erwachsen werden optimal zu begleiten, ist in unserer komplexen Gesellschaft keine leichte Aufgabe für Eltern. Dennoch wird sie von den meisten Vätern und Müttern mit viel Liebe und Einsatz für ihre Kinder gemeistert. Aber welche Eltern kennen nicht die Situationen, in denen man denkt: „Auch das noch! Wenn ich doch nur jemanden hätte, der mir in dieser Situation konkret hilft oder wenigstens mit gutem Rat zur Seite steht.“

Historie

Der Begriff „Frühe Hilfen“ sorgt seit seiner Einführung im Zuge des Aktionsprogramms „Frühe Hilfen für Familien und soziale Frühwarnsysteme in den Ländern“ (BMFSFJ 2006) für zum Teil heftige und kontroverse Debatten. Dies lag und liegt vor allem daran, dass er letztlich nicht eindeutig ist und einen weiten Interpretationsspielraum zulässt. Unvermindert kontrovers wird insbesondere die Frage diskutiert, ob es sich bei diesen Angeboten um Maßnahmen mit eher kontrollierendem Charakter handelt oder ob sie nicht eher der allgemeinen Förderung des gesunden Aufwachsens von Kindern zuzuordnen seien. Auch die Eingrenzung der Altersgruppe auf Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis zum dritten Lebensjahr blieb nicht unwidersprochen.

In einigen Länderprogrammen und etlichen kommunalen Konzepten wird gerade die Verknüpfung präventiver Angebote über Altersgrenzen hinweg anvisiert, die sich aus der Logik der kindlichen Entwicklung und der Zuständigkeit entsprechender Versorgungsbereiche ergeben. Das NZFH hat 2009 erstmalig das in den kommunalen Steuerungsbehörden vorherrschende Begriffsverständnis von „Frühen Hilfen“ untersuchen lassen. Damals stimmte es auf den ersten Blick überwiegend mit dem des Aktionsprogramms der Bundesregierung überein, das Frühe Hilfen als präventive Maßnahmen zur Förderung der Erziehungskompetenz für (werdende) Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren definierte. Auf diese Weise sollte gerade in psychosozial belasteten Familien einer möglichen Vernachlässigung der Säuglinge und Kleinkinder vorgebeugt werden. In der Befragung fanden sowohl unter den Jugend-, als auch unter den Gesundheitsämtern am ehesten diejenigen Aussagen Zustimmung, die Frühe Hilfen als biografisch früh einsetzende Unterstützung und als sekundäre Prävention für Risikogruppen bezeichnen.

An dritter Stelle – bezogen auf den Grad der Zustimmung – steht die Beschreibung von Frühen Hilfen als Maßnahmen zur präventiven Förderung elterlicher Erziehungskompetenz, gefolgt von der Aussage, dass sich Frühe Hilfen im Sinne primärer Prävention an alle Eltern wenden.

Handlungsebene der „Frühen   Hilfen“ in der StädteRegion Aachen

Die Jugendämter in der StädteRegion Aachen und das Gesundheitsamt der StädteRegion Aachen sind schon seit vielen Jahren gemeinsam im Bereich Frühe Hilfen- des Kinderschutzes tätig. Durch Abstimmung in diversen Arbeitsgruppen bzw. durch öffentlich-rechtliche Vereinbarungen gehen die Ämter bereits viele Wege gemeinsam zum Wohle Kinder, Jugendlichen und Familien in der StädteRegion Aachen. Exemplarisch sei hier der gemeinsame Familienhebammendienst genannt.

Dieser gemeinsame Weg soll fortgesetzt und intensiviert werden. In der Steuerungsgruppe „Im Blick – Frühe Hilfen – Kinderschutz“ findet dazu ab 2014 eine gemeinsame strategische Abstimmung zu Themen der Frühen Hilfen und des Kinderschutzes unter Berücksichtigung der Eigenständigkeit der lokalen Netzwerke in den einzelnen Jugendamtsbereichen in der StädteRegion Aachen statt. Ein Transfer der Inhalte in beide Richtungen ist garantiert.

Die Struktur der engen Kooperation der Jugendämter untereinander und andererseits die verbindliche Zusammenarbeit zwischen Jugend- und Gesundheitshilfe ist dabei modellhaft und notwendig, um passgenaue Angebote der „Frühen Hilfen“ zu entwickeln.

Inzwischen ist  das Vorgehen in der StädteRegion Aachen bundesweit als  „best practice Beispiel“ anerkannt und wurde bereits bei mehreren Fachveranstaltungen vorgestellt. (z.B. beim Fachtag „Frühe Hilfen“ des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen und des Institutes für Soziale Arbeit in Münster).